Warum eine Ärztin über Chakren spricht?
Was sind Chakren?
Man stellt sie sich als rotierende Energiezentren vor, die entlang der Wirbelsäule angeordnet sind. Ihre Aufgabe ist es, Lebensenergie aufzunehmen, zu verarbeiten und im Körper zu verteilen.
Es gibt sieben Hauptchakren, von der Basis der Wirbelsäule bis zum Scheitelpunkt des Kopfes. Jedes Chakra wird mit bestimmten körperlichen Funktionen, emotionalen Zuständen, Farben und Elementen in Verbindung gebracht.
Emotion trifft Biologie
Jedes Chakra korrespondiert grob mit wichtigen Nervengeflechten (Plexus) und endokrinen Drüsen unseres biologischen Systems. Diese Entsprechungen machen das Modell für mich als Medizinerin so interessant:
1. Das Wurzel-Chakra (Basis der Wirbelsäule)
- Emotionale Ebene: Steht für Erdung, Sicherheit, Überleben und unsere Grundbedürfnisse. Das Fundament unseres Seins.
- Biologie: Korrespondiert mit dem Skelettsystem, den Beinen, dem Darm und den Nebennieren, die für die Ausschüttung von Stresshormonen verantwortlich sind.
- Blockaden: Zeigen sich oft als existentielle Ängste, Unsicherheit, mangelndes Selbstvertrauen und in körperlichen Symptomen in den Beinen, Füßen, im unteren Rücken und Darmbereich.
2. Das Sakral-Chakra (Unterbauch)
- Emotionale Ebene: Zentrum der Emotionen, Kreativität, Sexualität und Beziehungen.
- Biologie: Nahe den Fortpflanzungsorganen und dem Urogenitalsystem.
- Blockaden: Können sich in emotionaler Abstumpfung, Lustlosigkeit, Beziehungsproblemen oder körperlichen Symptomen wie Menstruationsbeschwerden oder Blasenproblemen äußern.
3. Das Solarplexus-Chakra (Oberbauch)
- Emotionale Ebene: Hier sitzt unsere persönliche Macht, unser Selbstwertgefühl und die Fähigkeit zur Kontrolle.
- Biologie: Nahe dem mächtigen Sonnengeflecht (Plexus solaris) und der Bauchspeicheldrüse.
- Blockaden: Hier spüren wir Stress im Magen ("etwas schlägt mir auf den Magen"), Kontrollverlust, geringes Selbstvertrauen, Entscheidungsschwierigkeiten oder Verdauungsbeschwerden.
4. Das Herz-Chakra (Brustmitte)
- Emotionale Ebene: Die Brücke zwischen den unteren (physischen) und oberen (spirituellen) Chakren. Steht für Liebe, Mitgefühl und Heilung.
- Biologie: Korrespondiert mit dem Herz-Lungen-System und der Thymusdrüse, die zentral für unser Immunsystem ist.
- Blockaden: zeigt sich häufig durch emotionale Isolation, Schwierigkeiten beim Geben und Empfangen von Liebe, Misstrauen und körperliche Beschwerden in Brust und oberem Rücken. Ein "schweres Herz" ist keine bloße Metapher, sondern ein Ausdruck emotionaler Last, der sich physisch als Engegefühl oder Herz-Kreislauf-Probleme manifestieren kann.
5. Das Kehl-Chakra (Halsregion)
- Emotionale Ebene: Kommunikation, Selbstausdruck und die Fähigkeit, die eigene Wahrheit zu sprechen.
- Biologie: Nahe der Schilddrüse, einem Hauptregulator unseres Stoffwechsels.
- Blockaden: Äußern sich oft durch Schwierigkeiten beim Kommunizieren, Angst vor Ablehnung oder Kritik und durch körperliche Symptome im Bereich von Hals, Nacken, Schilddrüse und Ohren.
6. Das Stirn-Chakra (Zwischen den Augenbrauen)
- Emotionale Ebene: Intuition, Weisheit, inneres Wissen und Vorstellungskraft ("Drittes Auge").
- Biologie: Korrespondiert mit der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), die viele andere Hormondrüsen steuert.
- Blockaden: Können zu Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder einem Gefühl der inneren Ziellosigkeit führen.
7. Das Kronen-Chakra (Scheitelpunkt)
- Emotionale Ebene: Die Verbindung zum Höheren Selbst, Spiritualität, Transzendenz und Erleuchtung.
- Biologie: Verbunden mit der Zirbeldrüse und dem gesamten zentralen Nervensystem.
- Blockaden: Führen häufig zu Isolation, Zynismus oder einem Gefühl der Sinnlosigkeit im Leben sowie einem Mangel an Energie.
Praxisbezogener Teil: Konkrete Übungen für den Alltag
Die Chakra-Lehre regt uns an, innezuhalten und zu spüren, wo in unserem Körper oder Leben es hakt. Die folgenden Übungen nutzen dieses Konzept zur Selbstwahrnehmung, basieren aber auf bewährten Methoden aus der Psychologie und Physiotherapie, um die Verbindung von Körper und Geist zu stärken:
"Wurzeln schlagen" (Fokus Wurzelchakra / Erdung)
- Problemstellung (traditionell): Bei Unsicherheit, Ängsten oder dem Gefühl, "neben sich zu stehen", ist das Wurzelchakra (Basis der Wirbelsäule) blockiert.
- Wissenschaftlich fundierte Praxis: Erdungsübung und progressive Muskelentspannung.
- Stelle dich barfuß (oder in Socken) auf den Boden. Verlagere das Gewicht bewusst auf beide Füße. Spüre die Verbindung zum Boden. Atme tief in den Bauch ein.
- Diese Technik aktiviert das parasympathische Nervensystem, das für Entspannung sorgt, und hilft nachweislich bei der Reduzierung von akutem Stress und Dissoziation.
"Herzöffnung" (Fokus Herzchakra / Mitgefühl)
- Problemstellung (traditionell): Gekrümmte Haltung, emotionale Distanz oder Traurigkeit deuten auf ein Ungleichgewicht im Herzchakra (Brustkorbmitte) hin.
- Wissenschaftlich fundierte Praxis: Körperhaltung und Dankbarkeitstagebuch.
- Körperhaltung: Richte die Schultern bewusst auf und öffne den Brustkorb. Allein die Veränderung der Körperhaltung kann die Stimmung positiv beeinflussen ("Power Posing").
- Dankbarkeit: Führe ein kurzes Tagebuch. Das bewusste Benennen von Dingen, für die du dankbar bist, ist eine Kernmethode der Positiven Psychologie zur Steigerung des allgemeinen Glücksempfindens.
"Klarheit schaffen" (Fokus Stirnchakra / Intuition)
- Problemstellung (traditionell): Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen oder Zukunftsängste werden dem Stirnchakra ("Drittes Auge", Stirnmitte) zugeordnet.
- Wissenschaftlich fundierte Praxis: Achtsamkeitsmeditation und Visualisierung.
- Setze dich ruhig hin und fokussiere dich für fünf Minuten ausschließlich auf deinen Atem. Wenn Gedanken abschweifen, kehre sanft zurück zum Atem.
- Diese Übung trainiert den präfrontalen Kortex, verbessert die Konzentrationsfähigkeit und fördert eine klare, rationale Entscheidungsfindung.
Fazit
Die Chakrenlehre ersetzt keine medizinische Diagnose oder Therapie bei schweren Erkrankungen oder Burnout. Aber sie ist ein wunderbares, intuitives Werkzeug, das den ganzheitlichen Ansatz perfekt ergänzt.
Sie bietet eine Brücke zwischen der rationalen Ärztin und der intuitiven Coachin in mir. Nutze diese alte Landkarte, um deinen eigenen Körper besser zu verstehen, Blockaden zu erspüren und in die Selbstfürsorge zu gehen.
Dein Körper spricht durch Signale – die Chakren helfen uns, diese Signale zu übersetzen.
Bleibe neugierig und achte gut auf deine Energiezentren!