Psychologie des Widerstands: Innerer Schweinehund

Hand aufs Herz: Wir kennen ihn alle. Er ist flauschig, hat eine Vorliebe für Käsepizza und besitzt die rhetorische Begabung eines Spitzenpolitikers, wenn es darum geht, uns vom Fitnessstudio fernzuhalten. Ich rede natürlich von unserem inneren Schweinehund.

 
Warum bellt er eigentlich?
Aus biologischer Sicht ist unser Schweinehund ein Überbleibsel unserer Vorfahren. Er will Energie sparen (für die nächste Mammutjagd, die vermutlich nie kommt) und uns vor Gefahren schützen (z. B. Regen beim Joggen). Er ist kein Feind, er ist ein extrem übervorsichtiger, etwas fauler Bodyguard.
 
Wie du ihn überlisten kannst

Druck erzeugt Gegendruck – auch in deinem Kopf. Wer den Schweinehund beschimpft, erntet nur Trotz-Pizza. 

Hier ist ein 3-Punkte-Plan für die nächste Verhandlungsrunde mit deinem "Pizza-Paul":

 

1. Die Empathie-Falle (Validieren statt Kritisieren)
Stelle dir vor, dein Schweinehund ist ein unterbezahlter Mitarbeiter. Er braucht Wertschätzung! Sage: „Paul, ich sehe dich. Ich weiß, das Sofa ist flauschig und die Außentemperatur ist menschenunwürdig.“ Wenn er merkt, dass du seinen Wunsch nach Komfort ernst nimmst, fährt er seine Verteidigungs-Stachel ein. Ein entspannter Schweinehund ist viel leichter zu überreden als einer, der um sein Leben (oder sein Nickerchen) kämpft.

 

2. Die „Salami-Taktik“ (Die 5-Minuten-Lüge)
Überfordere ihn nicht mit einem Marathon. Verhandle ein „Probier-Häppchen“. „Wir ziehen nur die Schuhe an und gehen 5 Minuten um den Block. Wenn wir danach immer noch finden, dass die Welt draußen schrecklich ist, kehren wir um.“
Der Clou: Sobald dein Herzschlag steigt und die erste frische Brise deine Lungen flutet, wechselt dein Körper vom „Couch-Modus“ in den „Aktiv-Modus“. Dann vergisst Paul oft ganz einfach, dass er eigentlich protestieren wollte.

 

3. Keine drastischen sportlichen Maßnahmen

Viele scheitern, weil sie einen Couch-Potato-Schweinehund direkt in ein High-Intensity-Intervall-Training (HIIT) peitschen wollen. Das ist für ihn keine Fitness, das ist eine Nahtoderfahrung!
Versuche es mit Coaching statt Drill: Wenn der Tag im Büro stressig war, ist ein ruhiger Power-Walk oder sanftes Yoga oft effektiver als die Folter im Fitnessstudio. Ein glücklicher Schweinehund wedelt mit dem Schwanz, wenn er sich bewegen darf, ohne dabei Angst um sein Leben haben zu müssen.

 
Wohlbefinden bedeutet nicht, den inneren Widerstand mit Gewalt zu brechen. Das erhöht nur deinen Cortisolspiegel – und das wollen wir vermeiden!
 
Bleib' gesund, bleib' entspannt – und kraule deinen Schweinehund ab und zu hinter den Ohren. Er gehört zu dir.